Bauen, bauen, bauen – und die Folgen?

27. Juni 2026: Deutschland erlebt eine Hitzewelle noch nie dagewesenen Ausmaßes, die Temperaturrekorde purzeln, Starkregen fällt, THW und Feuerwehr haben alle Hände voll zu tun. Am Abend dann im NDR-Fernsehen ein Interview mit dem Mobilitätsforscher Prof. Andreas Knie. Er sagt etwas, das eigentlich jedem und jeder klar sein müsste, das aber aus der öffentlichen Wahrnehmung praktisch verschwunden ist: „Was nützt uns eine Rentenreform, wenn wir keine lebenswerte Umwelt mehr haben, in der man in Rente gehen kann?“ Wir beschäftigen uns zurzeit mit lauter Themen, die sich in den Vordergrund geschoben und die für sich genommen alle wichtig sind, mit Kriegen, Epidemien, Rechtsradikalen, Künstlicher Intelligenz, Superreichen und Krankenhausreformen, aber wir übersehen die elementare Botschaft, die die Hitzewelle für uns hat: Sie ist nicht nur mal „so“ da und verschwindet auch wieder, sondern sie zeigt an, wohin sich unsere Welt entwickelt und auch, dass wir tatenlos zuschauen und nichts unternehmen. Der Mobilitätsexperte erläuterte die faktischen Daten, die jedem Bürger, jeder Bürgerin, jedem Politiker und jeder Politikerin eigentlich klar sein dürften: Jeden Tag werden in Deutschland etwa 51 Hektar (ca. 71 Fußballfelder) neu als Siedlungs- oder Verkehrsfläche ausgewiesen, d.h. sie werden versiegelt. Die Folgen sind: Überschwemmungen, Hitzeinseln und Lebensraumverlust (siehe https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung), ganz zu schweigen von den klimaschädlichen Emissionen, die beim Bauen entstehen. Der Experte sagt: Wir dürfen nicht immer weiter bauen! Und was sagt die Regierung? Sie sagt: „Bauen, bauen, bauen“ (https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/topthemen/DE/Massnahmenpaket-bauen/massnahmenpaket-artikel.html). Es ist wie bei der Anmerkung des Experten zur Rentenreform: Irgendwann haben wir genug Wohnungen gebaut, aber die Umwelt so zerstört, dass wir die Wohnungen gar nicht mehr brauchen, weil es niemanden gibt, der sie bewohnt. Das erinnert stark an die Anti-Atomkraft-Karikatur aus den 80er Jahren, in der eine abgemagerte und kranke Person in einer offenbar strahlenverseuchten Umgebung eine leuchtende Glühlampe anschaut und sagt: „Gott sei Dank, wir haben Strom“. Wir sägen den Ast, auf dem wir sitzen, ab. Warum tun wir das?

Gert Braune
Foto: „Degraded road“ (Wikipedia, Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)
Der Beitrag wurde ohne Verwendung von KI erstellt.


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